Das große Kakteenwandern

Ab ins Beet: Der Frühling erreicht die Parks und Gärten von Überlingen

© Kur und Touristik Überlingen GmbH

Jedes Jahr wandern in Überlingen die Kakteen. Im Herbst raus aus dem Stadtgarten,  hinauf ins einsame, dem Publikum nicht zugänglichen Gewächshaus der Stadtgärtnerei. Im Frühjahr, sobald der Frost gebannt ist, wieder hinab ins Beet, in bester Lage, direkt neben dem großen Springbrunnen. Das tun die kostbaren und oft seltenen Pflanzen natürlich nicht von alleine. Dahinter steckt eine logistische Meisterleistung der Überlinger Stadtgärtner, die über Jahrzehnte hinweg zur Perfektion gebracht wurde.

 

Betagte Diven

1893 brachte Hermann Hoch, der erste Stadtgärtner Überlingens, einige Kakteen von einer Italienreise mit an den Bodensee. Daraus entstand eine Kakteensammlung, die weithin ihresgleichen sucht. Das beinahe mediterrane Klima Überlingens, zwischen wärmendem See und schützenden Molassefelsen, gefiel den stachligen Exoten. Sie wuchsen und gediehen und wurden im Stadtgarten einem staunenden Publikum präsentiert. Doch sobald der erste Frost nahte, wollten sie zurück ins warme Gewächshaus, wo sie eng gedrängt den Winter verbrachten. Das war der Anfang vom kuriosen Kakteenwandern durch die kunstvoll begrünten Stadtgräben von Überlingen. Die Ochsen vor den Karren hatten damals von Jahr zu Jahr schwerer zu ziehen. Jetzt, im Mai 2015, plant Andreas Höfler, Chef über 26 Stadtgärtner, eine Woche lang zehn Mann für den Umzug der Kakteen ein – obwohl er heute Traktoren verwenden kann. „Wir nehmen jeden Kaktus einzeln in die Hand“, sagt er: „Vor den harten Stacheln und den feinen mit den Widerhaken schützt nicht einmal spezielle Lederbekleidung.“ Hinzu kommt: Kakteen sind Diven, die kleinste Druckstelle beginnt sofort zu faulen. Sie wollen sanft umgelegt und weich gepolstert transportiert werden. Die Überlinger Kakteensammlung fasst rund 5.000 Exemplare. Sechs bis sieben Meter hoch, 250 bis 300 Kilo schwer, sind die ältesten Pflanzen, die noch auf Hermann Hoch zurückgehen.

 

Wanderbare Gartenkultur

Die Kakteensammlung ist nur eine der vielen Besonderheiten in Überlingens Park- und Gartenanlagen. Von den Kakteen inspirierte, wanderlustige Besucher folgen dem Gartenkulturpfad zu den grünen Sehenswürdigkeiten der Kneippstadt. Die Wegweiser des vier Kilometer langen Hauptweges führen rund um den mittelalterlichen Stadtkern zu Badgarten, Uferpark und Stadtgarten. Im Badgarten, dem Garten des ehemaligen Kapuzinerklosters, liegt die Keimzelle der Überlinger Parkanlagen. Schon 1868 flanierten hier die Kurgäste des mondänen Badhotels. Platanen, Buche und Riesenmammutbaum stammen aus dieser Zeit. Entlang der Seepromenade – sie gilt als die längste am Bodensee – ergänzt sich das Arboretum um Götterbaum, Tulpenbaum und Flügelnuss. Der jüngste Park im Ensemble ist der 1875 angelegte Stadtgarten der die ehemaligen Stadtgräben der mittelalterlichen Handelsstadt malerisch begrünt. Die kunstvoll angelegten Blumenbeete in allen Parkanlagen werden mehrmals im Jahr neu bepflanzt und sind der Stolz der Stadtgärtnerei. „Malen mit Pflanzen“, nennt Höfler das. Die Setzlinge dafür stammen aus dem eigenen Anzucht- und Pflanzbetrieb. Das gepflegte Grün und die Blütenpracht an Uferanlagen, Straßenrändern und Kreisverkehren in Überlingens Teilorten sind ebenfalls das Werk der Überlinger Stadtgärtner.

 

Vom Garten in die Landschaft

Die Gärten von Überlingen liegen in einer sehenswerten Natur- und Kulturlandschaft. Immer wieder stößt der Flaneur in den Parkanlagen auf Nischen und Aussichtspunkte, die einen Blick auf das grandiose Schauspiel zwischen See, Ufer und Alpenkette ermöglichen. Ringsum bricht der ländlich geprägte Bodenseeraum in die fein gepflegte Gartenkultur ein. Diese fantastischen Übergänge zwischen kunstvoll geschaffener, bewirtschafteter und freier Natur lassen sich auf dem neuen „Premiumwanderweg Seegang“ eindrucksvoll erleben. Auf 53 Kilometern verbindet der abwechslungsreiche und einheitlich ausgeschilderte Weg die beiden Bodenseestädte Überlingen und Konstanz. Gerade im Frühling ist die Etappe zwischen Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen ein Gang durch ein weiß glitzerndes Blütenmeer. Sie trägt daher den Namen „Blütenweg“.

 

Das Ende einer Ära

Passend zum 1250-jährigen Stadtjubiläum ist Überlingen im Jahr 2020 Ausrichter der Landesgartenschau. Zu diesem Anlass sollen die Kakteen ein eigenes Haus bekommen, das auch Besuchern offen steht. Sobald der Glasbau fertig gestellt ist, können die stachligen Raritäten dort bleibende Wohnstatt finden. Dann hätte das Kakteenwandern ein Ende. „Uns wird nix fehlen“, sagt der Leiter der Stadtgärtnerei. Im Gegenteil, Euphorbien, Opuntien und Wolfsmilchgewächse können sich auf größere Pflanzballen freuen und Andreas Höfler kann sie dauerhaft präsentieren, nicht nur wenige Monate im Jahr. „…obwohl“, wird der tatkräftige Mann dann plötzlich nachdenklich: „da geht schon eine Ära zu Ende.“

   

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