Tief im See

Hier lesen Sie ein Interview mit dem leidenschaftlichen Taucher Andreas Sieding.

© Andreas Sieding

Herr Sieding, warum tauchen Sie im Bodensee und nicht im Mittelmeer oder in der Karibik? Nur, weil der See vor der Haustür liegt?

Andreas Sieding: Nein. Ich habe schon im Mittelmeer, in der Karibik und anderswo getaucht, aber ich finde es im Bodensee und speziell vor Überlingen am schönsten, weil ich von unserer heimischen Unterwasserwelt und den vielen interessanten Details fasziniert bin. Der Bodensee ist eines der schönsten Tauchreviere Europas.

   

Was sind die besonderen Tauchbedingungen im See? Was reizt Sie an der Taucherei im Bodensee?

Andreas Sieding: Wie an der Oberfläche auch, besitzt der See in der Tiefe zu jeder Jahreszeit seine Reize. Im Winter hat man eine klare Sicht, im Sommer sieht man dafür eine üppige Unterwasserflora und -fauna. Einzigartig ist die Vielfalt unterschiedlichster Tauchplätze für Anfänger, Fortgeschrittene und Tauchprofis. Was wirklich super für uns Taucher ist: Es gibt viele Füllstationen für Atemgase. Mit einer speziellen Karte kann man dort rund um die Uhr Pressluft tanken, Nitrox und Trimix bekommt man immerhin zu den Geschäftszeiten. Überlingen ist da bestens ausgestattet. Das ist leider bisher zu wenig bekannt.

   

Gibt es ein Unterwasserausflugsziel, das man als Bodenseetaucher unbedingt gesehen haben sollte?

Andreas Sieding: Für Taucher von außerhalb ist die "Jura" einer der interessantesten Tauchplätze im See. Das ist vielleicht das bekannteste Süßwasserwrack in Deutschland überhaupt. Der 1864 bei einer Kollision mit der "Stadt Zürich" gesunkene Raddampfer liegt in fast 40 m Tiefe vor Kreuzlingen und ist sicher einen Tauchgang wert.

   

Hatten Sie unter Wasser im See schon besonders interessante oder lustige Begegnungen?

Andreas Sieding: Lustige Begegnungen gibt es immer wieder. Zwei Taucher, die sich unbeobachtet fühlen und sich gegenseitig necken, indem sie sich an den Flossen ziehen zum Beispiel. So etwas bekommt man schon mal zu sehen. Besonders interessant ist, dass Hechte für ihr Gebiss, so wie Haie, eine lebendige Putzkolonne haben. Im Bodensee übernehmen das die Schwebegarnelen. In gewisser Weise arbeiten die Schwebegarnelen so an der Dezimierung ihrer Fressfeinde, da diese auf dem Speisezettel der Hechte stehen.

   

Was ist Ihr persönlicher Lieblingsort vor Überlingen - unter Wasser?

Andreas Sieding: Die Steilwände auf Höhe des Seezeichens 24 beim Überlinger Campingpark Richtung Goldbach. Je nach Jahreszeit sieht man hier hunderte von Fische. Überlingen ist unter Wasser genauso schön wie über Wasser - das ist quasi unsere Taucher-Promenade.

   

Herr Sieding, wir danken Ihnen für dieses interessante Gespräch.