Der Brunnen – eine wahre Geschichte aus Überlingen

Es begab sich zu jener Zeit, da saßen während eines Gassenfestes zwei ältere Burschen zusammen bei Bier und Wein und dachten über den Sinn des Lebens nach: „Ach, wie schön wäre es“ sagte der eine, „wenn es mir zu Lebzeiten vergönnt wäre, für unsere schöne Stadt einen stattlichen Brunnen zu errichten, aus Rorschacher Sandstein, an einem trefflichen Platz aufgestellt, zur Freude der Überlinger Bürger und gedacht für die Ewigkeit …“ Es war Riccardo der Steinmetz, der seinem Traum freien Lauf ließ. „Ach ja“, meinte der andere im Angesicht des Hänselebrunnens unter dem sie saßen „und wenn wir Schwertletänzer den Brunnen für ein paar Tage zum Promenadenfest mit an den See nehmen könnten, einen Brunnen, aus dem richtiger Wein fließt. Das stünde der Zunft der Rebleute doch gut zu Gesicht“. Es war Dirk, der die Bildhauerei zum Zeitvertreib betrieb und im richtigen Leben Pillen drehte. So saßen die Burschen da und tranken Bier und Wein und insgeheim spannen sie ihre Ideen weiter.

Der Funke muss wohl übergesprungen sein, vom einen zum anderen und vom anderen zum einen. Gemeinsam war ihnen klar: Es galt, eine Brunnenfigur zu schaffen - einen zünftigen Schwertletänzer - damit endlich alle Überlinger, die niemals die Schwedenprozession miterlebt hatten, eine Vorstellung davon bekamen, wie ein richtiger Schwertletänzer überhaupt aussieht. Sie mussten sich sputen, stand das Promenadenfest doch vor der Tür. Einen dritten weihten Sie in ihre geheimen Pläne noch ein: Peter, der Custos des Museums, der sich trefflich auf das Schreinerhandwerk verstand: Ein Modell war schnell entworfen und die Firma PUREN stiftete einen riesigen Block, aus dem heraus das Werk entstehen sollte und so machten sie sich hurtig an die Arbeit. Sie zeichneten und sägten, sie hieben und schnitten, sie feilten und schliffen und wenn sie müde waren legten sie sich zu Ruhe … und ehe sie sich versahen, war die Arbeit getan und der Brunnen vollendet. Mit Trommeln und Pfeifen wurde das Kunstwerk enthüllt. Echter Überlinger Wein sprudelte aus den Speiern heraus und alle Leute freuten sich und labten sich am köstlichen Nass. Selbst die Oberbürgermeisterin tanzte vor Freude mit dem 1. Platzmeister der Schwerttanzkompanie einen Hopswalzer. „So soll es bleiben bis zum St. Nimmerleinstag“ riefen alle, saßen zusammen und tranken Wein und waren glücklich bis zu ihrem Lebensende … und wenn sie nicht gestorben sind, so leben sie noch heute!