Im Interview mit Reinhard Ebersbach

40 Jahre Promenadenfest

Das erste Promenadenfest fand 1976, zur Einweihung der neuen Promenade, statt. Zu dieser Zeit war Reinhard Ebersbach Bürgermeister der Stadt Überlingen.

 

Herr Ebersbach, das Promenadenfest gibt es nun schon seit 40 Jahren und Sie waren der Ausrichter des ersten Festes. Was war der Anlass dieses Fest ins Leben zu rufen?

Der Anlass, dieses Fest ins Leben zu rufen, waren die Bauarbeiten (Dauer: ca. 3 Jahre), für den Ufersammler, der die Abwässer der Stadt zusammenfasst und sie in die entsprechende Kläranlage weiterleitet. Während dieser Zeit war in Überlingen nicht viel von der erholsamen Stimmung von heute zu erleben, da beispielweise Spundwände in den Seegrund geschlagen werden mussten, um die Uferanlage zu befestigen. Dies war zum einen sehr zeit- und kostenintensiv und zum anderen extrem laut und nervenzehrend für die Überlinger Bürger und Bürgerinnen, die Tag ein Tag aus die Schläge der Spundwände ertragen mussten.

Alles in allem fielen bis zur Fertigstellung der Promenade rund 20 Mio. DM an, weshalb nach der Fertigstellung für eine richtige Eröffnung und Feier entlang der Promenade der Stadt das Geld fehlte. Meine Mitarbeiter/-innen und ich waren uns jedoch einig, dass es eine offizielle Einweihung und Eröffnung der Promenade geben musste, um auch den Bürgern für ihre jahrelange Geduld während der Bauarbeiten zu danken.

 

Wer kam auf die Idee, die frisch gestaltete Promenade den Vereinen für das Promenadenfest zur Verfügung zu stellen?

Die Idee und Entwicklung des Festes wurden in der Verwaltung „geboren“. Zusammen mit den Überlinger Vereinen habe ich dann die Idee des Promenadenfestes umgesetzt. Nachdem man sich in der Stadtverwaltung einig war, dass es auf jeden Fall eine Einweihung der Promenade und ein Fest geben musste, kamen meine Mitarbeiter/- innen und ich auf die Idee, die Überlinger Vereine zu fragen, ob sie Interesse an der Organisation eines zweitägigen Promenadenfestes (Samstag und Sonntag) hätten. Einige Tage nach der Anfrage bestätigten bereits die ersten Vereine wie beispielsweise der WSCÜ, die Schwerttanzkompanie, der TV Überlingen, die TGÜ, die Fischer und viele Weitere ihre Teilnahme. Daraufhin stürzten sich alle Beteiligten der Stadtverwaltung und der Vereine in die Vorbereitungen.

 

Wie war die Stimmung nach dem ersten Fest? Mussten Sie die damals beteiligten Vereinsvertreter für eine weitere Teilnahme überzeugen oder war das Fest gleich ein durchschlagender Erfolg? 

Das Fest war sofort ein voller Erfolg. Die Stimmung war bereits am Samstag bei der offiziellen Eröffnung, bei welcher auch bekannte Persönlichkeiten wie beispielsweise der damalige Bundesinnenminister Horst Meierhöfer anwesend waren, unglaublich toll. Damals wie auch heute herrscht einfach eine besondere Stimmung während des Festes, die jeden Besucher in seinen Bann zieht. Ich denke, das liegt vor allem daran, dass es ein Fest „von Überlingern für Überlinger“ ist und viele ehemalige Überlinger extra für dieses Wochenende nach Hause kommen. Auch heute treffen sich immer noch Jung und Alt auf dem Promenadenfest und genießen die entspannte und lockere Atmosphäre.

 

Was für Programmhöhepunkte waren damals auf dem Fest gewünscht und welche konnten umgesetzt werden?

Es gab verschiedenste Aktionen während des Festwochenendes. Untertags zeigten beispielsweise Mitglieder des WSCÜ entlang des Ufers ihr Können beim Windsurfen. Nach Einbruch der Dunkelheit präsentierte sich der Paddelclub mit einer Paddelcrew mit beleuchteten Paddeln sowie der Bodensee Yacht Club mit seinen beleuchteten Segelbooten entlang der Promenade. Auch musikalische Darbietungen waren an verschiedenen Ständen immer wieder geboten.

 

Gibt es ein spezielles Promenadenfest, das Ihnen in besonderer Erinnerung geblieben ist. Und wenn ja, welches und warum?

Nein, alle Feste der ersten 10 Jahre sind mir in besonders guter Erinnerung geblieben, da hier die Motivation der Mitglieder und teilnehmenden Vereine extrem hoch gewesen ist. Meine Frau und ich haben während dieser Jahre auch selbst einige Male beim TV Überlingen im Service gearbeitet und waren jedes Jahr wieder begeistert von der tollen Stimmung und dem Zusammenhalt und der Motivation der Vereine.

 

Das Promenadenfest ist das einzige große Stadtfest in Überlingen. Welche Bedeutung geben Sie dem Fest in Bezug auf die Stadt und deren Bürger?

Aus meiner Sicht hat das Promenadenfest eine sehr große Bedeutung für die Stadt und deren Bürger. Das Fest hat eine lange Tradition für Vereine und für die Bürger der Stadt, weshalb viele Überlinger noch heute extra zum Promenadenfest aus der ganzen Welt wieder in ihre alte Heimat reisen.

 

Sind Sie mit Ihrer Frau auch heute noch gerne Gast auf dem Promenadenfest?

Ja, wir sind immer noch jedes Jahr sehr gerne auf dem Promenadenfest zu Gast.

 

Warum sollte man Ihrer Meinung nach das Promenadenfest als Überlinger und warum als „Nicht-Überlinger“ besuchen?

Weil man live miterleben kann, wie sich eine Stadt solidarisiert und was dies bei Menschen bewirkt. In meinen Augen ist es einfach ein Erlebnis,das man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte – egal ob als alteingesessener Überlinger oder als Tourist.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft des Promenadenfestes und wo sehen Sie das Promenadenfest in 10 Jahren?

Für das Promenadenfest wünsche ich mir in Zukunft, dass sich weiterhin viele Vereine mit so viel Engagement beteiligen und so ein tolles Promenadenfest auf die Beine stellen. Denn hier sehe ich auch die Zukunft des Festes. Ich sehe das Fest in 10 Jahren dort, wo es heute ist: mit kleinen Show-Events entlang der Promenade sowie mit verschiedenen Vereinsbühnen und ihren Programmpunkten. Auch fände ich es richtig, wenn der Eintritt weiterhin frei bleibt, so dass jeder die Möglichkeit hat, das Fest kostenlos zu besuchen. Kurz gesagt: Ich hoffe, dass es ein Vereinsfest bleibt, so wie es momentan ist.