Theater
Highlight
Wintertheater Überlingen 26/27: Ein Mann macht Theater
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Kabarettistisches Solo über die Behandlung eines gesellschaftlichen Hexenschusses.
„Guten Abend. Bitte… bleiben Sie ruhig sitzen. Bleiben Sie einfach… Atmen Sie durch. Ich muss Ihnen leider etwas mitteilen. Das Stück fällt aus. Also, das eigentliche Stück.“
Es ist 20 Uhr und Thomas, der Intendant eines kleinen privaten Theaters steht allein auf der Bühne. Sein Ensemble hat um 19.15 Uhr per WhatsApp Sprachnachricht kurz vor der Premiere gekündigt. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben einen kollektiven Burnout zur Folge: Akutes Weltscherz-Symptom auf Grund der geopolitischen Gesamtlage, Klima-Trauma, Trigger-Reaktionen auf Grund der Diskussion über die Notwendigkeit einer politischen Haltung – das Wort Haltung hat im Hauptdarsteller sein Kindheitstrauma auf dem Ponyhof getriggert. Und die Nebendarstellerin streikt, weil im Theatercatering kein veganes, glutenfreies, politisches korrektes Wasser aus fairem Handel angeboten wird. Das kommt zwar aus dem Wasserhahn, aber dieser ist nicht BIO-Zertifiziert.
Kurzum, das eigentliche Stück „Die Agonie der Demokratie – Ein Requiem auf die Vernunft“ mit kompostierbarem Bühnenbild kann nicht stattfinden. Thomas empfiehlt seinem Publikum zu bleiben, denn sie könnten zwar an der Abendkasse Ihr Eintrittsgeld zurückverlangen, aber das ist schon längst von der Stadt ausgegeben.
Und er, der letzte weiße Wal in diesem Ozean der Befindlichkeiten kann nicht verantworten, dass heute Abend kein Theater stattfindet. Denn er ist überzeugt, stirbt das Theater, stirbt auch die Demokratie. Also rettet er das Theater und die Demokratie, allein und spielt. Und wie er spielt, er spielt die gesamte Republik, den Befindlichkeits- und Bürokratiewahnsinn und das politische Improvisations-theater. Dabei spielt er sich gelegentlich so in Rage, dass er, der immerhin schon sechzig ist, von seiner Stresslevel messenden Fitnessuhr immer wieder eingebremst wird.
Als er schließlich darauf zu sprechen kommt, dass mit einer Politik der Diskriminierung in diesem Land heute wieder Wahlen gewonnen werden, fährt es ihm in den Rücken. Und dennoch gewährt ihm seine Uhr in diesem Moment einen höheren Stresslevel und er kann sich frei dazu äußern und mal richtig Theater machen. Das mündet in ein flammendes Plädoyer, sich auch in Anbetracht der Schmerzen eines Hexenschusses, der Kniebeschwerden und zunehmenden Schwerhörigkeit und Sehschwäche dagegen zu wehren. Daraus leitet sich ein Entspannungsmantra ab, dessen Vibes sowohl das Burnout des Ensembles als auch den Hexenschuss von Thomas kurieren.
Ein grandioser Schauspielabend über den allgemein vorherrschenden gesellschaftlichen Wahnsinn und einen Moment unumstößlicher Klarheit darüber, dass dieses Land mit seiner liberalen Demokratie, die auf Humanismus, Menschenwürde, Rechtstaatlichkeit und Vernunft fußt, eines der schönsten und besten der Welt ist. Und das sollten wir uns von niemandem schlecht reden lassen.
„Guten Abend. Bitte… bleiben Sie ruhig sitzen. Bleiben Sie einfach… Atmen Sie durch. Ich muss Ihnen leider etwas mitteilen. Das Stück fällt aus. Also, das eigentliche Stück.“
Es ist 20 Uhr und Thomas, der Intendant eines kleinen privaten Theaters steht allein auf der Bühne. Sein Ensemble hat um 19.15 Uhr per WhatsApp Sprachnachricht kurz vor der Premiere gekündigt. Die Gründe dafür sind vielfältig und haben einen kollektiven Burnout zur Folge: Akutes Weltscherz-Symptom auf Grund der geopolitischen Gesamtlage, Klima-Trauma, Trigger-Reaktionen auf Grund der Diskussion über die Notwendigkeit einer politischen Haltung – das Wort Haltung hat im Hauptdarsteller sein Kindheitstrauma auf dem Ponyhof getriggert. Und die Nebendarstellerin streikt, weil im Theatercatering kein veganes, glutenfreies, politisches korrektes Wasser aus fairem Handel angeboten wird. Das kommt zwar aus dem Wasserhahn, aber dieser ist nicht BIO-Zertifiziert.
Kurzum, das eigentliche Stück „Die Agonie der Demokratie – Ein Requiem auf die Vernunft“ mit kompostierbarem Bühnenbild kann nicht stattfinden. Thomas empfiehlt seinem Publikum zu bleiben, denn sie könnten zwar an der Abendkasse Ihr Eintrittsgeld zurückverlangen, aber das ist schon längst von der Stadt ausgegeben.
Und er, der letzte weiße Wal in diesem Ozean der Befindlichkeiten kann nicht verantworten, dass heute Abend kein Theater stattfindet. Denn er ist überzeugt, stirbt das Theater, stirbt auch die Demokratie. Also rettet er das Theater und die Demokratie, allein und spielt. Und wie er spielt, er spielt die gesamte Republik, den Befindlichkeits- und Bürokratiewahnsinn und das politische Improvisations-theater. Dabei spielt er sich gelegentlich so in Rage, dass er, der immerhin schon sechzig ist, von seiner Stresslevel messenden Fitnessuhr immer wieder eingebremst wird.
Als er schließlich darauf zu sprechen kommt, dass mit einer Politik der Diskriminierung in diesem Land heute wieder Wahlen gewonnen werden, fährt es ihm in den Rücken. Und dennoch gewährt ihm seine Uhr in diesem Moment einen höheren Stresslevel und er kann sich frei dazu äußern und mal richtig Theater machen. Das mündet in ein flammendes Plädoyer, sich auch in Anbetracht der Schmerzen eines Hexenschusses, der Kniebeschwerden und zunehmenden Schwerhörigkeit und Sehschwäche dagegen zu wehren. Daraus leitet sich ein Entspannungsmantra ab, dessen Vibes sowohl das Burnout des Ensembles als auch den Hexenschuss von Thomas kurieren.
Ein grandioser Schauspielabend über den allgemein vorherrschenden gesellschaftlichen Wahnsinn und einen Moment unumstößlicher Klarheit darüber, dass dieses Land mit seiner liberalen Demokratie, die auf Humanismus, Menschenwürde, Rechtstaatlichkeit und Vernunft fußt, eines der schönsten und besten der Welt ist. Und das sollten wir uns von niemandem schlecht reden lassen.
G1 Raum für Kultur, Gunzoweg 1
21.11.2026
20:00 Uhr
Eintritt: 25 €. Kartenreservierung: www.g1-raumfuerkultur.de
Kontakt
- +49 (0) 7551 8310222
- [email protected]
- https://www.noltes.biz
