Stadtgärtnerei

Bitte nicht anfassen - eine stachelige Angelegenheit

Andreas Höfler, Leiter der Stadtgärtnerei. Er ist seit seiner Lehre vor 40 Jahren mit großer Begeisterung dort tätig und erfreut sich regelmäßig an Bäumen, die er schon vor Jahrzehnten gepflanzt hat.

Es gibt immer wieder erstaunte Blicke und den einen oder anderen Lacher von Passanten, wenn wir mit dem Umzug der Kakteen beschäftigt sind und Traktoren mit den teils sehr großen Exemplaren durch die Stadt fahren. Die Wintermonate verbringen die frostempfindlichen Exoten in unserem Gewächshaus, so dass sie im Frühjahr und im Herbst jeweils umziehen müssen. Mitte Mai beginnt der große Transport in den Stadtgarten, wo die Kakteen direkt neben dem Springbrunnen ihren Platz finden. Eine Woche lang sind wir mit 12 Mitarbeitern zugange, bis alles wieder so ist, wie es sein soll.

Große Kakteenwanderung

Die Sammlung von über 5000 Kakteen, die in den Sommermonaten im Überlinger Stadtgarten zu bewundern ist, sucht ihresgleichen. Von rund bis länglich und groß bis klein könnten die Unterschiede der riesigen Kakteensammlung fast nicht größer sein. Gemeinsam ist ihnen, dass sie zweimal jährlich auf eine unfreiwillige Wanderschaft gehen. Andreas Höfler, Leiter der Überlinger Stadtgärtnerei, ist mit der Logistik des Umzugs beschäftigt.

Dass wir dabei mit größter Vorsicht vorgehen, versteht sich von selbst, denn weder die Pflanzen noch wir selbst wollen verletzt werden - wobei es immer eine sehr stachelige Angelegenheit ist. Jeder einzelne Kaktus muss sorgsam in die Hand genommen und weich gepolstert transportiert werden, denn jede noch so kleine Druckstelle fördert die Fäulnisbildung. Im Herbst ist das Gewicht von großen Kakteen oft beträchtlich, denn wenn das Pflanzensubstrat nach einemmfeuchten Sommer sehr schwer ist, kann es sein, dass ein einzelnes Exemplar bis zu 300 kg wiegt. Wir hoffen deshalb sehr auf den Bau eines Kakteenhauses in Überlingen, in dem die Sammlung kontinuierlich untergebracht werden kann. Hinzu kommt, dass Besucher im Moment leider nur von Mitte Mai bis Oktober die Möglichkeit haben, diese Vielfalt zu bewundern, denn das Gewächshaus der Stadtgärtnerei ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.

Seit 120 Jahren existiert die stattliche Sammlung inzwischen, die sich im Laufe der Jahre immer wieder verändert hat und ebenso wie der Stadtgarten unter Denkmalschutz steht. Ich kann jedem empfehlen, regelmäßig im Stadtgarten vorbei zu schauen, denn auch bei den Kakteen gibt es immer wieder Neues zu entdecken. Viele Fans der Sammlung fiebern der Blüte der “Königin der Nacht” entgegen. Bis zu 5 Meter hoch kann ein Exemplar dieser Art werden und jede Blüte zeigt sich nur für eine einzige Nacht - ein Schauspiel, das auch mich immer wieder begeistert.

Tipps von Andreas Höfler für den Überlinger Stadtgarten

Der Taschentuchbaum 

Wenn man den prächtigen Rosengartendurchquert hat, findet sich im hinteren Teil des Stadtgartens der aus China stammende “Taschentuchbaum” (Davidia involucrata). Von weitem sehen seine weißen Hochblätter so aus, als wären es lauter Taschentücher, die in den Ästen hängen.

Mammutbaum

Unmittelbar am Eingang des Stadtgartens von der Bahnhofstraße aus steht ein stattlicher Mammutbaum. Er stammt aus der Wilhelma-Saat, einer Sammlung des Königs von Württemberg von 1865. Was dieser Baum wohl schon alles erlebt hat! Wer die Blumeninsel Mainau besucht, kann dort Exemplare aus der gleichen Saat bewundern.

Pavillon

Besuchen Sie auf jeden Fall den Pavillon im oberen Teil des Stadtgartens. Von dort hat man nicht nur einen großartigen Blick auf den See und den Bodanrück, sondern auch auf die darunter liegende Kakteensammlung.