Stadtbefestigung

Eindrucksvolles Zeugnis reichsstädtischer Vergangenheit

Die einstige Stadtbefestigung bildet heute einen grünen Gürtel um die Altstadt und trägt maßgeblich zum besonderen Flair Überlingens bei. Das eindrucksvolle Zeugnis reichsstädtischer Vergangenheit ist zu einem innerstädtischen Grünzug von hoher ökologischer Bedeutung und Naherholungsgebiet mit Erlebniswert geworden.

Mit Unterstützung des Verschönerungsvereins Überlingen und Dr. Thomas Hirthe konnten die Tafeln zur Überlinger Stadtbefestigung erneuert werden. Informationen zur Historie und Bedeutung der Türme, Tore und Bauwerke finden Sie auf den Tafeln zur Überlinger Stadtbefestigung.

Tipp: Gerade an heißen Sommertagen bieten die Stadtgräben wohltuende Abkühlung und auch im Winter sind die Stadtgräben und Tafeln gut zu begehen.

Überlinger Stadtbefestigung

Überlinger Stadtbefestigung

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Badturm
Badturm und Seepavillon. Postkarte, frühes 20. Jahrhundert. Überlingen, Stadtarchiv

Badturm

Der fünfgeschossige, über quadratischem Grundriss errichtete Turm ist das letzte Zeugnis der parallel zum See verlaufenden Stadtmauer. Sie wurde in den 1860er Jahren zugunsten des Seeuferwegs abgerissen.

Der Badturm bildete die südwestliche Ecke der Mauer zwischen Gallerturm und heutigem Landungsplatz und entstand wohl zusammen mit der seeseitigen Mauer im frühen 16. Jahrhundert. Sehr selten sind die Schießscharten in den Gebäudeecken, die Schüsse in Diagonalrichtung ermöglichten.

Vom Dammturm zum Badturm

Seinen früheren Namen „Dammturm“ erhielt der Bau, nachdem um 1560 neben ihm ein fünf Meter hoher Wall als Geschützplattform aufgeschüttet worden war. Wegen des Standorts neben Heilbad und Hotel, das die drei oberen Turmgeschosse als Fremdenzimmer nutzte, bürgerte sich im 19. Jahrhundert der heute gebräuchliche Name „Badturm“ ein. Während ihrer Kuren in Überlingen war er Lieblingsort der Dichter Heinrich Zschokke (1771-1848) und Ludwig Uhland (1787-1862).

Die unmittelbar an den Turm grenzende Jugendstilvilla „Seeburg“ wurde 1919 anstelle eines Wohnhauses aus dem 19. Jahrhundert erbaut.

Gustav Schwab (1827): „Herrliche Aussicht nach allen vier Seiten auf dem altern Thurm im Garten des Herrn Kaufmann Mayer neben dem Bad. Der Eigenthümer öffnet sein Gut Badegästen und Fremden aufs Gefälligste.

Grundtor
Hermann Roys: Romantische Ansichten des Äußeren Grundtors von der Feldseite. 1897. Überlingen, Städtisches Museum

Grundtor

Das 1469 erstmals bezeugte Tor am Westende der Fischerhäuser Vorstadt bestand aus zwei Gebäuden, dem „Inneren“ und dem „Äußeren“ Grundtor.

Als Teil des Mauerzugs zwischen Badturm und Gallerturm sicherte das innere Tor ungefähr vor der Einfahrt zum heutigen Parkhaus West die Straße. Der trutzige Bau war etwa sieben Meter lang und ebenso breit. Er hatte abgeschrägte Ecken und Türmchen neben der Durchfahrt.

Kochendes Pech oder eine andere heiße Flüssigkeit

Der ungefähr an der Stelle dieser Tafel stehende äußere Torbau gehörte zu einer zweiten Mauer, die zwischen See und Gallergraben parallel zur inneren verlief. Er maß etwa zehn mal acht Meter und besaß einen Treppengiebel, aus dem eine große Pechnase herausragte. Aus ihr konnte kochendes Pech oder eine andere heiße Flüssigkeit auf Feinde geschüttet werden.

Einem Gutachten des aus Salem stammenden Wiener Dombaumeister Hans Saphoy folgend, war das „Äußere Grundtor“ nach 1555 neu errichtet worden. Die beiden seither versetzt stehenden Tore verband eine schräg verlaufende Brücke über dem nicht mehr vorhandenen, einst etwa drei Meter tiefen Graben. So konnten Eindringlinge auf der Straße von der Stadtmauer aus besser bekämpft werden.

Ein Dokument im Überlinger Stadtarchiv aus dem Jahr 1839 bescheinigt dem Gemeinderat, er habe „zur Verschönerung der Stadt durch den Abbruch des finsteren, feuchten Grundthors ordentlich beigetragen.

Quellturm
Johann Nepomuk Bommer: Sammler der Badquelle im Quellturm. Um 1840. Überlingen, Stadtarchiv

Quellturm

Der zweigeschossige, etwa halbrunde Turm mit kleinen Schießscharten wurde nach Fertigstellung der Stadtmauer gebaut, vermutlich in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts.

Er hatte zwei Funktionen: Erstens diente er zur Verteidigung des rund zwanzig Meter breiten Grundgrabens, der vom See bis etwa unterhalb des Turms reichte. Vor der Verfüllung des Grabens im 19. Jahrhundert lag das Gelände etwa vier Meter tiefer.

Zweitens diente er dem Schutz der Heilquelle, die im Felsen entsprang und seit dem späten 15. Jahrhundert bekannt war. Ab etwa 1580 wurde ihr Wasser im Untergeschoss des Turms gesammelt und durch Röhren aus ausgehöhlten Baumstämmen zum Badehaus geleitet. Dieses stand an der Stelle des heutigen Hotels.

Vom Quellturm in die Badewanne

Im 19. Jahrhundert war das aus großen Quadern gebaute Becken etwa 2,3 Meter lang und 5,6 Meter tief. Eine heute nicht mehr begehbare Treppe führt im Turminneren an den Beckenrand. Seit 1838 floss das Quellwasser in einer Eisenröhre zum Trinkbrunnen im Badhausgarten, zum Siedkessel und in die Badewannen des Hotels. Als Folge des 1901 in Betrieb genommenen Eisenbahntunnels versiegte die Quelle.

Die am Turm angebrachte Inschrift „HERMANN MANZ, dem warmen Freunde der Stadt und ihrer Umgebung zum ehrenden Gedächtnis. 1921“ erinnert an den Initiator des 1899 gegründeten Verschönerungsverein Überlingen.

Gallerturm
Gallerturm und Quellturm. Postkarte, frühes 20. Jahrhundert. Überlingen, Stadtarchiv

Gallerturm

Der erste runde Wehrturm nördlich der Alpen ist Teil der westlichen Erweiterung der Stadtbefestigung zwischen Aufkircher Tor und Badturm. Die Rundform lenkte Geschützkugeln ab und entsprach der damals aktuellen Verteidigungstechnik.

Die Graubündener Ulrich und Anton Gübelin errichteten den bis zur Dachspitze 30,3 Meter hohen, fünfgeschossigen Turm von März 1502 bis November 1503. Als er entstand, war der Gallergraben hier nur rund vier Meter tief. Der Ausbau zum gewaltigsten Stadtgraben Überlingens mit einer maximalen Tiefe von 22 Metern und einer Breite von bis zu 20 Metern erfolgte bis gegen 1560.

Für romantisch veranlagte Badegäste zur Bewohnung

Benannt ist der Turm nach einem Frauenkloster, das dem hl. Gallus geweiht war und 1534 den neuen Wehranlagen weichen musste. Weil die Erbauer aus dem Süden – dem „Welschland“ – stammten, hieß er früher auch „Wahlenturm“.

Dass er erhalten geblieben ist, verdankt er seiner Lage am Rand des Stadtgartens. Bei der 1875 erfolgten Restaurierung ersetzte man den alten Dachstuhl durch eine Aussichtsplattform mit Zinnenkranz, die Schießscharten durch Fenster und richtete das Innere „für romantisch veranlagte Badegäste zur Bewohnung“ ein. Diese Veränderungen sind inzwischen wieder verschwunden.

Othmar Schönhuth (1851): „Der Gallerthurm wurde in neuerer Zeit zu einer Warte eingerichtet, von der aus man den reizendsten Ausblick sowohl landeinwärts, als über den See und auf die Alpen des tiroler und schweizerischen Hochlands genießt.“

Gallergraben und Gallertor
Gallerhöhe, Gallerturm, Gallerschanze und Blatterngraben. Detail aus Daniel Hauser: Die Schwedenbelagerung Überlingens 1634 (Kopie 1670). Überlingen, Städtisches Museum

Gallergraben und Gallertor

Seit dem 19. Jahrhundert, als die Stadtgräben zu Spazierwegen für Kurgäste umgestaltet wurden, verschleiern hier der Pflanzenbewuchs und die rampenartige Aufschüttung zum Aufkircher Tor die ursprüngliche Mächtigkeit des Grabens. Mit einer Tiefe von bis zu 22 und einer Breite von bis zu 20 Metern war der Gallergraben seit etwa 1560 die gewaltigste Anlage in Überlingen.

Die Anfänge des Grabenzugs liegen im 14. Jahrhundert, als die Befestigung des „Dorfs“ vom Aufkircher Tor bis zum Blatterngraben reichte, dem westlichen Wehrgraben der ersten Erweiterung. Ab etwa 1500 erfolgte die Verlängerung in Form des Gallergrabens bis zum See als zweite Erweiterung.

Vom Graben aus sind Reste der Schanze zu erkennen

Das den Blattern- zum Gallergraben abschließende Tor besteht aus einer einfachen Mauer mit seitlicher, in Ziegelmauerwerk ausgeführter gestufter Geschützscharte. Durch die Vertiefung des Gallergrabens im 16. Jahrhundert verlor das Tor seine Funktion, denn es befand sich fortan mindestens 3,5 Meter über der Grabensohle.

Rechts oben neben dem Tor sind vom Graben aus Reste der Schanze aus dem 16. Jahrhundert zu erkennen, die im Zwickel zwischen Blattern- und Gallergraben angelegt wurde – die heutige Uhlandshöhe.

Wilhelm Telle (Infanterie-General und Militärhistoriker) 1926: Bei der Herstellung der Gallerschanze „mußten, namentlich beim Flechten der Schanzkörbe, nicht nur die Knaben, sondern auch die jungen Damen der Stadt kräftig mithelfen.

Aufkircher Tor
Hermann Roys: Das Aufkircher Tor von der Stadtseite. 1899. Überlingen, Städtisches Museum

Aufkircher Tor

Neben dem Franziskanertor ist das Aufkircher Tor das einzige, das von den ursprünglich neun landseitigen Stadttoren erhalten geblieben ist. Bis zur Aufschüttung der Rampen im Graben stand das Torgebäude etwa acht Meter über der Grabensohle. Eine Brücke überspannte den Graben.

Der heutige Name hat sich wohl erst im 19. Jahrhundert eingebürgert. Früher waren Klotzen- und Küechlinstor, wegen der Lage zwischen Scheeren- und Gallertor auch Mitteltor gebräuchlich.

1454 erstmals urkundlich erwähnt

Das Gebäude ist als neues nördliches Stadttor Teil der im 14. Jahrhundert geschaffenen Ummauerung des „Dorfs“; 1454 ist es erstmals urkundlich erwähnt. Der einfache, zweistöckige, gedrungene Torturm hat stadtseitig eine rundbogige, nach außen eine von Quadern gefasste spitzbogige Toröffnung. Die rechteckige Mauervertiefung zeigt, dass es vor der Durchfahrt einmal eine Zugbrücke gab.

Während das Äußere des Torbaus im Wesentlichen unverändert geblieben ist, wurden 1929 der Fußgängerdurchgang und 1968 die neue Straßentrasse angelegt. Hierfür wurde die historische Mauer abgerissen und eine neue mit flachem Bogen über der Straße errichtet.

Das Kreuz auf der Grabenseite ist angeblich im April 1945 entstanden: Aus Furcht, dass die anrückenden französischen Truppen das Tor zerschießen könnten, soll ein Überlinger aus der senkrechten Schießscharte das Kreuz gemacht haben.

Hexenküche oder Drachengefängnis?

Hexenküche oder Drachengefängnis?

Dass dieser schlanke Turm mit den Schießscharten und dem Zinnenkranz mitten in einem Wehrgraben – dem Wagsauter Graben – steht, sollte stutzig machen.

Tatsächlich handelt es sich bei ihm auch nicht um einen Wehrturm. Und er stammt auch nicht aus dem Mittelalter, obwohl er so aussieht.

Anlass für Fantasien ...

In Wahrheit ist der Turm ein Kamin – die Entlüftung des rund 950 Meter langen Eisenbahntunnels zwischen den Stationen „Überlingen Therme“ und „Überlingen“. Ein industrielles Bauwerk also in historisierenden Formen, wie sie zur Zeit seiner Errichtung um 1900 üblich waren. Im Zeitalter der Dampflokomotiven brauchten lange Tunnels Entlüftungskamine, um den Rauch aus der Röhre zu befördern. So drangen auch aus diesem Turm von Zeit zu Zeit dichte Rauchwolken – Anlass für Fantasien ...

Der Bau dieses Tunnels war übrigens der Grund für das Versiegen der Mineralquelle, die seit dem späten 15. Jahrhundert genutzt worden war und Überlingen im 19. Jahrhundert zu einem beliebten Kurort gemacht hatte.

Eva-Maria Bast (2011): Mädchen meinen, dass in dem Turm Rapunzel wohne oder, weil früher Rauch aus ihm quoll, er eine Hexenküche sei. Und für kleine Jungs ist klar: In dem Turm sitzt ein Feuer speiender Drache.

Wagsauterturm
Wagsauterturm mit Zwinger und Schanze. Zeichnung von Martin Hesselbacher, 1958

Wagsauterturm

Der nach einer seit 1259 dokumentierten Familie Wagsauter benannte dreistöckige, vierzehn Meter hohe Bau steht auf dem höchsten Punkt der Altstadt an der Nordostecke der Stadtbefestigung. Er ist über einer Grundfläche von rund acht auf sieben Metern erbaut.

Der heutige Turm ist eine Rekonstruktion des um 1675 errichteten Baus, die das baden-württembergische Landesamt für Denkmalpflege nach Befund und der Darstellung auf dem Merian-Stich 1958 errichtet hat

Reste der vorderen Zwingermauer sind im Graben erhalten

Auch wenn der Turm zu der im 14. Jahrhundert geschaffenen Umwehrung des „Dorfs“ gehört, dürfte er erst im 15. Jahrhundert errichtet worden sein. Nach der Zerstörung der Obergeschosse im 30-jährigen Krieg wurden sie um 1675 wiedererrichtet. In diesem Zuge begann man auch, den ganzen Eckbereich durch Erdanschüttungen und Brustwehren zur „Wagsauterschanze“ auszubauen, von der noch Reste vorhanden sind.

Bereits um 1550 war hier eine in Überlingen einzigartige Anlage geschaffen worden: ein Zwinger. Der etwa vier Meter tiefe Vorraum vor der Stadtmauer, der durch eine zweite, niedrigere Mauer gebildet wurde, reichte bis zum ehemaligen Scheerentor und war 1569 mit zwei Geschützen besetzt. Reste der vorderen Zwingermauer sind im Graben erhalten.

Scheerentor
Wagsauterturm und Scheerentor mit Zwinger. Detail aus Daniel Hauser: Die Schwedenbelagerung Überlingens 1634 (Kopie 1670). Überlingen, Städtisches Museum

Scheerentor

Das 1333 erstmals erwähnte, restlos verschwundene Gebäude wurde im Zuge der Umfriedung des „Dorfs“ als östliches Stadttor erbaut und vor 1657 abgerissen, nachdem seine Durchfahrt bereits 1633 zugemauert worden war.

Offenbar hatte die Verbindung zwischen „Dorf“ und dem außerhalb der Stadtbefestigung liegenden Friedhof – die heutige Friedhofstraße – an Bedeutung verloren, sodass der Unterhalt eines Torgebäudes verzichtbar erschien.

Erstes Bauwerk der Dorf-Befestigung

Soweit bekannt, handelte es sich um einen dreigeschossigen schlanken Torturm. An der Grabenseite gab es wohl zwei türmchenartige Erker, die als Pechnasen dienten. Aus ihnen konnte kochendes Pech oder eine andere heiße Flüssigkeit auf Feinde geschüttet werden.

Bis ins 16. Jahrhundert hieß das erste Bauwerk der Dorf-Befestigung, das urkundlich dokumentiert ist, Gantzen Gassertor, dann Sche(e)rentor. Auf dem zwischen ihm und dem Wagsauterturm um die Mitte des 16. Jahrhunderts errichteten Zwinger sind 1569 zwei Geschütze am „Gantzengasser Tor“ aufgestellt. Den Graben überspannte eine einbogige Brücke.

Kesselbachturm
Kesselbachturm und Wiestor mit Schanze „Neues Werk“. Detail aus Daniel Hauser: Die Schwedenbelagerung Überlingens 1634 (Kopie 1670). Überlingen, Städtisches Museum

Kesselbachturm

Seit 1732 wird der ehemalige Wehrturm zu Wohnzwecken genutzt. Benannt ist er nach dem Kesselbach, der neben dem Turm mit einem hölzernen Aquädukt über den Graben in die Stadt geführt wurde, wo er Mühlen antrieb.

Der heutige zweigeschossige Bau mit Walmdach stammt in seinem Kern aus dem Jahr 1626, als beschlossen wurde, den alten Turm am Kesselbach bis auf das Fundament abzubrechen und neu aufzumauern.

Teil der Befestigung des Dorfs

Wann der erste Kesselbachturm gebaut wurde, ist nicht bekannt. Jedenfalls war er wie der benachbarte, etwas weiter in Richtung Scheerentor stehende Kohlturm, von dem keine Spuren erhalten sind, Teil der Befestigung des „Dorfs“.

Im Zuge des festungsmäßigen Ausbaus der Stadt entstand ab 1622 jenseits des Scheerengrabens die Schanze „Neues Werk“, die vom Aquädukt nach Süden bis zum „Äußeren Wiestor“ reichte. Durch einen eigenen Graben gesichert, maß sie rund 24 auf 18 Meter, ihre Wälle waren bis zu 7,5 Meter hoch. Im Inneren befand sich eine trapezförmige Geschützplattform. Von den Abböschungen der Bastion haben sich Reste auf dem Wiesenplatz oberhalb des Parkhauses erhalten

Wiestor
Wiestor mit Schanze „Neues Werk“ und Kesselbachturm. Detail aus Daniel Hauser: Die Schwedenbelagerung Überlingens 1634 (Kopie 1670). Überlingen, Städtisches Museum

Wiestor

Seit dem 15. Jahrhundert war das heute restlos verschwundene Wiestor der Hauptzugang zur Stadt aus Richtung Salem und Heiligenberg. Zeitweise bestand es aus drei Gebäuden.

Das in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts anlässlich der Befestigung des „Dorfs“ gebaute und 1843 abgebrochene „Innere Wiestor“ sicherte die Straße in Höhe der heutigen Bankfiliale. Das wohl im frühen 16. Jahrhundert errichtete und 1828 beseitigte „Äußere Wiestor“ stand etwa in Höhe des Parkhauses. Dazwischen befand sich das vermutlich nach dem 30jährigen Krieg erbaute und spätestens 1846 abgerissene „Mittlere Wiestor“.

Einst ein hoher Turm mit dreifenstrigem Erker

Das innere Tor war ein hoher Turm, der auf der Stadtseite einen dreifenstrigen Erker hatte und vom 17. bis zum 19. Jahrhundert durch den so genannten „Strempfel“ mit der staufischen Stadtbefestigung verbunden war. Hierbei handelte es sich um einen gedeckten Brückenbau, von dem aus der innere Graben bis zum Rosenobel verteidigt werden konnte. Sein Unterbau diente als Wehr, die den im Graben fließenden Bach bis zu zwei Metern anstauen konnte. Das äußere Tor bestand aus einer Durchfahrt, die von zwei Türmen flankiert war.

Zwischen den Toren stand seit 1564 eine Steinbrücke mit massiven Einfassungsmauern.

Der Politiker und Verleger Franz Xaver Ullersberger hält es in einem Schreiben 1843 an den Überlinger Gemeinderat für „jammerschad, wenn man das Vordere Wies Thor, ein Meisterstück der Baukunst, abbrechen würde“ – vergeblich, das Tor fiel noch im selben Jahr der Spitzhacke zum Opfer.

Rosenobel
Grund- und Aufrisse des Rosenobel. Zeichnung von Wilhelm Telle, um 1925

Rosenobel

Das heutige Aussehen erhielt die gewaltige Rotunde durch eine 1970/71 erfolgte Instandsetzung, bei der große Teile des schadhaft gewordenen Mauerwerks erneuert wurden.

Der im Innern dreigeschossige Bau ersetzt seit 1657 den während der Schwedenbelagerung 1634 durch Beschuss stark zerstörten und 1639 abgerissenen „Roßnauerturm“.

Mächtige Grabenwehr

Der Vorgängerbau – ein hoher Turm über quadratischem Grundriss – sicherte die nordöstliche Ecke der Befestigung der Kernstadt, die in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand. Er diente – wie sein Nachfolger – der Verteidigung des Grabens in Richtung Obertor und in Richtung Franziskanertor. Im obersten Turmstockwerk aufgestellte Kanonen konnten aber auch das Vorfeld erreichen.

Um die Mitte des 16. Jahrhunderts wurde oberhalb des Turms eine Bastion gebaut. 1569 waren auf dieser „Tischgerhofschanze“, deren Hof und Zugangsrampe heute noch zu erkennen sind, fünf Geschütze aufgestellt.

Die Schanze macht es wahrscheinlich, dass der Rosenobel nach dem 30-jährigen Krieg ausschließlich als mächtige Grabenwehr, auch „Grabenstreiche“ genannt, angelegt wurde. Dafür spricht auch die Ausrichtung der für Kanonen bestimmten Scharten auf die beiden Gräben.

Wilhelm Telle (Infanterie-General und Militärhistoriker) 1926: „Der Rosenobel ist im fortifikatorisch-technischen Sinne eine Grabenstreiche, wie wir sie ähnlich noch bis über die Mitte des vorigen Jahrhunderts hinaus gebaut haben, also für unser Alt-Ueberlingen hochmodern.“

Franziskanertor
Karl Weysser: Franziskanertor von der Stadtseite. Zeichnung, 1862. Karlsruhe, Generallandesarchiv

Franziskanertor

Neben dem Aufkircher Tor ist das nach dem benachbarten Kloster benannte Franziskanertor das einzige, das von den ursprünglich neun landseitigen Stadttoren erhalten geblieben ist.

Das heutige Tor wurde 1494 an der Stelle errichtet, wo seit dem 13. Jahrhundert das nördliche Stadttor des ersten Mauerrings gestanden hatte

Das Glöckchen im Dachreiter heißt Fuchs

An den Torturm grenzten beiderseits Wohnhäuser, von denen das linke 1866 abgerissen wurde, um schließlich Platz für die Straßenumfahrung zu schaffen. Auf der rechten Seite ist im Graben noch heute erkennbar, dass die unteren Teile der Hausmauern aus der Stadtmauer des 13. Jahrhunderts bestehen.

Als das heutige Tor entstand, war seine militärische Bedeutung nur mehr gering. Das mag ein Grund gewesen sein, auf das sonst übliche Fallgitter in der Durchfahrt zu verzichten und am Torgebäude – wie sonst nur bei Stadt- und Kirchtürmen üblich – zwei große Uhren anzubringen.

Die Befestigung des „Dorfs“ war gegen 1500 abgeschlossen. Schon um 1400 hatte man schräg gegenüber dem Tor jenseits des Grabens eine Erdbastion angelegt, die später zur „Gunzoburg“ umgedeutet wurde.

Das Glöckchen im Dachreiter heißt „Fuchs“. Es schlägt fünf Minuten vor jeder vollen Stunde. Angeblich damit f rüher die Handwerker wussten, wann sie den Hammer fallen lassen mussten, etwa um pünktlich beim Mittagessen zu sein...

Christophstor und Fidelistor
Karl Weysser: Fidelistor. Zeichnung, 1862. Karlsruhe, Generallandesarchiv

Christophstor und Fidelistor

Bis zu seinem Abriss 1831 stand das zur ersten Stadtbefestigung des 13. Jahrhunderts gehörende, Christophstor vor dem heutigen Kaufhaus an der Ecke zur Grabenstraße. Wegen der Nähe zur gleichnamigen Vorstadt hieß es ursprünglich „Fischerhäuser Tor“.

Zusammen mit dem benachbarten Fidelistor, das bis zu seinem Abbruch 1865 die heutige Jakob-Kessenring-Straße sicherte, bildete es den westlichen Zugang zur Kernstadt.

Darstellung des hl. Christophorus gab dem Tor seinen Namen

Das Christophstor hatte fünf Stockwerke. An den Ecken standen vier Türmchen, ein fünftes befand sich in der Mitte der Grabenseite und diente wohl als „Pechnase“, aus der man unter anderem siedendes Pech auf den Feind schütten konnte. Eine über drei Stockwerke reichende Darstellung des hl. Christophorus auf der Stadtseite gab dem Tor seinen Namen. Der volkstümliche Heilige war unter anderem Patron der Straßenwärter und Reisenden.

Den Namen Fidelistor bekam das zuvor Rudolfs- oder Schlachthaustor genannte Gebäude erst 1810. Damals wurde das Überlinger Gefängnis in den Torbau verlegt. Der Vorname des ersten Häftlings soll „Fidelis“ gewesen sein.

Ein Wehr am See staute im Kriegsfall den im Graben vor den beiden Toren fließenden Bach.

Wilhelm Telle (Infanterie-General und Militärhistoriker) 1926: „Da man von keinem Standpunkte aus alle fünf Türmchen des Christophstors, sondern höchstens nur vier sehen konnte, hatten die Alt-Ueberlinger das Sprichwort Fünf ist grad‘“.

Blatterngraben
Überlinger Hänsele beim Karbatschenschnellen

Blatterngraben

Der heute Blatterngraben genannte Geländeeinschnitt hatte ursprünglich nichts mit Pocken, früher Blattern genannt, zu tun. Vielmehr entstand er im 14. Jahrhundert als westlicher Teil der ersten Erweiterung der Wehranlagen, durch die das „Dorf“ in die Stadtbefestigung aufgenommen wurde.

Seine Funktion als Wehrgraben büßte er im 16. Jahrhundert durch die zweite Erweiterung der Stadtbefestigung mit Galler- und Grundgraben vom Aufkircher Tor bis zum Badturm ein.

Abschließbare Tore schützten die Allgemeinheit vor Ansteckung

Fortan diente der Blatterngraben bis ins 18. Jahrhundert Menschen, die an Pocken oder anderen gefährlichen Infektionskrankheiten litten und im benachbarten Siechenhaus untergebracht waren, als Aufenthaltsort. Die abschließbaren Tore schützten die Allgemeinheit vor Ansteckung.

Wohl im Zuge des Ausbaus der Stadtbefestigung im 16. Jahrhundert legte man im Zwickel zwischen Blattern- und Gallergraben zur Unterstützung des Gallerturms Schanzen an – die heutige Uhlandshöhe. Von diesen Erdbatterien aus konnte das Gelände des jetzigen oberen Stadtgartens verteidigt werden. Reste der Schanzen sind nach der Brücke auf der linken Seite noch zu erkennen.

Einer Überlieferung zufolge geht das Karbatschenschnellen (Peitschenknallen), das heute fester Bestandteil der Überlinger Fasnet ist, auf die Kranken im Blatterngraben zurück: Derjenige, der ihnen Essen bringen musste, hielt sie durch Schwingen der Karbatsche von sich fern, um nicht angesteckt zu werden.

Obertor
Karl Weysser: Obertor von der Feldseite. Zeichnung, 1862. Karlsruhe, Generallandesarchiv

Obertor

Bis zum 15. Jahrhundert war das heute verschwundene Obertor der Hauptzugang zur Stadt aus Richtung Salem und Heiligenberg.

Das zur staufischen Stadtbefestigung gehörende Gebäude wurde in den 1470er Jahren zusammen mit dem Grund- und Hölltor erneuert.

Bei Annäherung von Feinden läuteten die Glocken

Bis zum 15. Jahrhundert war das heute verschwundene Obertor der Hauptzugang zur Stadt aus Richtung Salem und Heiligenberg. Das zur staufischen Stadtbefestigung gehörende Gebäude wurde in den 1470er Jahren zusammen mit dem Grund- und Hölltor erneuert.

Der mit Sandsteinquadern verkleidete Torturm über quadratischem Grundriss besaß bis zu den Beschädigungen im 30-jährigen Krieg ein Obergeschoss aus Fachwerk, in dem sich wohl die Türmerstube befand. Im Dachreiter hing eine kleine Glocke, die bei Annäherung von Feinden als erste in der Stadt geläutet wurde. An der Außenseite des Torturms war ein Stadtwappen angebracht – zeitweise wohl auch ein Christusbild.

Die Brücke vor dem Tor wurde 1822 abgebrochen und der etwa vierzehn Meter tiefe Stadtgraben aufgefüllt. Ein Gutachten des Jahres 1879 hält fest, dass der Turm in gutem, seine Fundamente jedoch in mangelhaftem Zustand seien. Am 6. März 1880 stürzte der feldseitige Teil des Turms ein, die Trümmer fielen in den Graben und auf die Straße, woraufhin auch der stadtseitige Teil vollständig beseitigt wurde.

1525 bestimmt eine Ratsverordnung, es sei bei drohender Feindsgefahr „erstlich daz glögklin vff dem Oberthor zuoleuthen vnnd gleich daruff die großen gloggen.“

St.-Johann-Turm und St.-Johann-Schanze
Grund- und Aufrisse des St.-Johann-Turms. Zeichnung von Wilhelm Telle, um 1925

St.-Johann-Turm und St.-Johann-Schanze

Ein erster Turm an der Nordostecke der staufischen Stadtmauer ist 1282 dokumentiert. Da er am Rand der von 1280 bis 1805 bestehenden Überlinger Niederlassung des „Ritterlichen Ordens St. Johannis vom Spital zu Jerusalem“ – kurz: Johanniter – steht, trägt er den Namen des hl. Johannes.

Der gewaltigste Wehrturm Überlingens.

Der heutige Bau wurde 1522/23 als dreistöckiges Rondell mit 3,3 Meter starker Mauer und einem Innendurchmesser von neun Metern begonnen. 1633/34 erfolgte die Erhöhung um drei weitere Geschosse. Mit einem Außendurchmesser von rund 15,6 Metern und einer Höhe von 28,5 Metern bis zum Dachansatz bzw. 37,5 Metern bis zur Spitze ist er der gewaltigste Wehrturm Überlingens.

Während die drei unteren Geschosse der Verteidigung der hier rund 15 Meter tiefen Gräben in Richtung Obertor und Hölltor dienten, war von den oberen die Verteidigung des Vorfeldes über den Graben hinaus möglich.

Bereits 1565 schufen die Überlinger am Grabenrand rechts vom Turm eine Geschützplattform in Form einer Schanze. Sie wurde wohl 1644 von den damaligen französischen Besatzern durch die heute noch erhaltene neue St.-Johann-Batterie ersetzt.

Der Überlieferung zufolge sollen bei der Grundsteinlegung des heutigen Turms 1522 etwa 300 Überlinger Buben mit kleinen Adler-Bannern in den St.-Johann-Graben gezogen sein. Hier bekam jeder vom Überlinger Rat eine Mutschel (sternförmiges Hefegebäck).

Hölltor und St.-Johann-Graben
St.-Johann-Graben und St.-Johann-Turm. Postkarte, um 1930. Überlingen, Stadtarchiv

Hölltor und St.-Johann-Graben

Erstmals ist das restlos zerstörte östliche Haupttor an der Straße Richtung Meersburg, das auch Helltor genannt wurde, im Zusammenhang mit der ersten Stadtbefestigung im frühen 14. Jahrhundert dokumentiert.

Aus einem Gutachten des aus Salem stammenden Wiener Dombaumeisters Hans Saphoy von 1555 geht hervor, dass das Hölltor – ähnlich wie das Grundtor auf der anderen Stadtseite – aus einem inneren und einem äußeren Gebäude bestand.

Reste der Stadtmauer lassen noch deren Höhe von bis zu rund 20 Metern erahnen

Das 1837 abgerissene innere Tor – ein einfacher dreigeschossiger Turm mit Walmdach – stand in der Flucht der Stadtmauer zwischen St.-Johann-Turm und See vor der Einmündung des Sandbergwegs in die heutige Münsterstraße. Das äußere Tor bestand bis zu seinem Abbruch 1823 aus einer Durchfahrt, die von zwei Rundtürmen flankiert war. Zwischen beiden Gebäuden überspannte eine Bogenbrücke aus Stein den etwa sechs Meter tiefen Wassergraben. Er wurde im 19. Jahrhundert zum „Mantelhafen“ umgestaltet.

Bergaufwärts erhaltene Reste der Stadtmauer lassen noch deren Höhe von bis zu rund 20 Metern erahnen. Die gewaltige Höhe sollte es Angreifern auch unmöglich machen, von der Anhöhe aus die Stadt zu überblicken.

Mantelschanze und Höllgraben
Georg Michael Kurz nach einer Zeichnung von Konrad Corradi: Überlingen vom See aus mit der Mantelschanze. Stahlstich, um 1850. Kunsthandel

Mantelschanze und Höllgraben

Eine Schwachstelle der mittelalterlichen Stadtbefestigung war die Hölltorfront. Maßnahmen zur Verbesserung vor dem Tor erfolgten ab 1581:

Hierzu zählten die Verlängerung des Grabens, der im 19. Jahrhundert zum Mantelhafen umgestaltet werden sollte, bis zum Geländeanstieg Richtung St.-Johann-Turm und die Anlage eines zweiten parallelen Grabens etwa in Höhe der heutigen Zufahrt zum Parkhaus Post.

Die Schanze dürfte in den 1620er Jahren funktionsfähig gewesen sein

Die zwischen dem spätmittelalterlichen „inneren“ und dem neu ausgehobenen „äußeren“ Hölltorgraben angelegte Schanze dürfte in den 1620er Jahren funktionsfähig gewesen sein. Sie bestand aus einem Damm zwischen den beiden Gräben und einer trapezförmigen, offenen Bastion am See.

Nach dem 30-jährigen Krieg wurde die jetzt „Mantelschanze“ genannte Anlage bis ins 18. Jahrhundert hinein durch weitere Befestigungswerke ausgebaut, auch wenn ihre militärische Bedeutung laufend abnahm.

Am Beginn des 19. Jahrhunderts war die nun mit Bäumen bestandene Bastion mit dem zum Holzhafen ausgebauten äußeren Höllgraben noch erhalten. Kurz nach der Jahrhundertmitte wurde der äußere Graben mit Schutt aus der Stadt verfüllt und der Mantel „zu einem Spaziergange“ mit Bäumen umgewandelt.

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